Mit Probiotika gegen Depressionen


Nützliche Darmflora
Kräftiger MaAnn beäugt eine Dose mit Probiotika.
mauritius images / Westend61 / Alla Azarnikova

Probiotika sollen nicht nur bei Darmbeschwerden helfen. Offenbar lindern sie auch Depressionen, wie eine Schweizer Arbeitsgruppe herausfand.

Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Stimmung

Darmbakterien spielen eine große Rolle im menschlichen Körper. Sie helfen beim Verdauen, bei der Aufnahme von Vitaminen und Nährstoffen und unterstützen die Immunabwehr. Diese „guten“ Bakterien schützen zudem vor ihren krankmachenden Verwandten. Dafür muss allerdings die Zusammensetzung der Darmflora stimmen. Ist diese gestört, drohen negative Folgen, z. B. Verdauungsprobleme und ein höheres Risiko für chronische Entzündung wie Rheuma und Krebs.

Doch nicht nur der Körper leidet, wenn die Darmflora aus dem Lot gerät. Über die Darm-Hirn-Achse beeinflussen die Darmbakterien durch ihre Stoffwechselprodukte auch das Nervensystem und die Stimmung. Darauf deuten zumindest Ergebnisse aus dem Labor hin: Pflanzt man Mäusen die Darmflora depressiver Personen ein, werden die Tiere energieloser und apathisch – zeigen also typische Depressionsbeschwerden.

Probiotika verstärkten die Wirkung von Antidepressiva

Ob sich eine depressive Darmflora durch Probiotika beeinflussen lässt, haben nun Schweizer Forscher*innen untersucht. 47 Patient*innen, die aufgrund ihrer Depression in stationärer Behandlung waren, machten dabei mit. Zusätzlich zu ihrem Antidepressivum erhielten 21 von ihnen 31 Tage lang ein Probiotikum, 26 ein Placebo. Vor und am Ende der Behandlung sowieso weitere vier Wochen später unterzogen sich alle Patient*innen einer Reihe psychologischer Tests. Außerdem wurde regelmäßig der Stuhl auf Bakterien untersucht.

Bei allen Patient*innen hatten die depressiven Beschwerden abgenommen – vermutlich durch die stationäre Behandlung. In der Probiotika-Gruppe war die Besserung jedoch deutlich stärker als in der Placebo-Gruppe. Die Autor*innen führen dies auf eine Probiotika-bedingte Stabilisierung der Darmflora zurück. Denn mit Abnahme der depressiven Beschwerden konnten sie bei den Probiotika-Patient*innen eine Zunahme der Milchsäurebakterien im Stuhl nachweisen.

Keime nur in Kombi nützlich

Nun müssen weitere Forschungen zeigen, welche Bakterien sich für eine antidepressive Therapie eignen. Allerdings wirken Probiotika nur unterstützend zu Antidepressiva, betonen die Forscher*innen. Als alleinige Therapie gegen Depressionen sind die nützlichen Keime nicht geeignet.

Quelle: Universität Basel

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