Geistige Aktivität bremst MS


Langzeitstudie belegt Wirkung
Geistige Aktivität bremst MS

Hält Gehirnjogging körperlich beweglich? Bei Patienten mit Multiple Sklerose (MS) ist dies tatsächlich der Fall. Geistige Aktivität zögert bei den Betroffenen unter anderem krankheitsbedingte Lähmungserscheinungen hinaus.

Was bedeutet Kognitive Reserve?

Nicht für die Schule  – für das Leben lernen wir: Jüngste Forschungsergebnisse bestätigen einmal mehr den bei Schülern so unbeliebten Spruch. Das Zauberwort lautet kognitive Reserve. Darunter verstehen Experten geistige Fähigkeiten, die für gesunde, junge Menschen keinen praktischen Nutzen haben. Erst wenn das Nervensystem krankheits- oder altersbedingt Schaden nimmt, kommen die Reserven zum Einsatz, um Defizite auszugleichen.

Kognitive Reserven bei Multipler Sklerose

Personen mit Multiple Sklerose (MS) profitieren in besonderer Weise von kognitiven Reserven. Bei ihnen zerstört das körpereigene Immunsystem die Isolierschicht der Nervenzellen. Das verlangsamt die Informationsweiterleitung innerhalb des Nervensystems und führt zunehmend zu Ausfallserscheinungen wie Missempfindungen, Sehstörungen und Lähmungen.

Langzeitstudie zur geistigen Aktivität bei MS

In einer umfassenden Langzeitstudie untersuchte der Regensburger Neurobiologe Professor Weißert, wie sich geistige Aktivität auf den Krankheitsverlauf der Multiplen Skerlose auswirkt. Sein Arbeitskreis beobachete in den Jahren 2000 bis 2012 über 120 MS-Patienten. Die Studienteilnehmer absolvierten insgesamt 27 neuropsychologische Tests zu Aufmerksamkeit, Langzeitgedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Sprache und Wahrnehmung. Gleichzeitig gaben sie Auskunft über Schul- und Weiterbildung, Beruf, Alltagsaktivitäten, Hobbies und Leseaktivitäten.

Geistige Aktivität schützt Hirnleistungen

Im Laufe der Studie zeigte sich: vor allem jene Studienteilnehmer erhielten sich ihre Hirnleistungen, die einer anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit nachgingen, sich geistig fit hielten, ein geselliges Leben führten oder viel lasen. Generell verfügen Betroffene mit hohem Bildungsniveau über bessere Prognosen für den Krankheitsverlauf. Jedoch gelang es Teilnehmern mit kürzeren Schul- und Ausbildungszeiten dieses Defizit durch sportliche Aktivität, Lesen oder eine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit wett zu machen. Die Studienergebnisse werden wohl in die Entwicklung neuer Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen einfließen.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz

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